Das Pädagogische Konzept
Fünf Jahre, dieselben Menschen
Dein Kind bleibt bei uns, bis es zur Schule geht

Kinder entscheiden hier mit. Auch die Einjährigen.
Im Garten gab es Streit um die Laufräder. Gelöst haben ihn nicht wir.
Die Kinder haben das Problem selbst in die Runde gebracht. Der erste Vorschlag war Abklatschen. Funktionierte nicht, niemand kam mehr zum Fahren. Der zweite war ein Zehn-Minuten-Takt mit Trillerpfeife. Fanden alle furchtbar.
Dann kam die Haltestelle: Wer fahren will, setzt sich auf die Bank. Wer vorne sitzt, ist als Nächstes dran. Das war vor Jahren. Es funktioniert bis heute.
Wir hätten eine Regel aufstellen können. Es hätte fünf Minuten gedauert statt drei Wochen. Aber dann hätten die Kinder eine Regel gelernt. So haben sie gelernt, wie man Regeln macht.
Der Morgenkreis heißt bei uns Kinderbesprechung
Das ist kein Wortspiel. In den meisten Kitas leiten Erwachsene den Morgenkreis. Eine Besprechung dagegen gehört allen, die etwas zu besprechen haben – den Kindern genauso wie uns Erwachsenen. Auch wir bringen Themen ein und stimmen mit ab. Wir moderieren, damit jede Stimme gehört wird. Aber unsere zählt wie jede andere – genau einmal.
Jeden Tag setzen wir uns zusammen. Es geht um Streit, um Ideen, um Regeln, um das, was jemanden freut oder ärgert. Wir moderieren. Wir bestimmen nicht, was besprochen wird.
Bei Abstimmungen hat jedes Kind eine Stimme. Wir Erwachsenen auch. Genau eine.
Ein einjähriges Kind hat auch eine Stimme
Die naheliegende Frage: Wie soll das gehen, wenn ein Kind noch nicht spricht?
Es spricht. Nur nicht mit Worten. Ein Kind, das sich beim Wickeln steif macht, sagt etwas sehr Deutliches. Ein Kind, das immer wieder aufsteht und zum Fenster schaut, auch.
In der Kinderbesprechung übersetzen wir solche Signale für die Gruppe. Vorsichtig, und immer als Vermutung: „Ich glaube, sie zeigt uns gerade, dass sie lieber raus möchte." Worte in den Mund legen wir niemandem.
Wir liegen damit auch mal falsch. Dann korrigieren die Kinder uns.
Stopp heißt Stopp – auch bei uns Erwachsenen
Jedes Kind bei uns lernt ein Signal: „Stopp" sagen oder die flache Hand zeigen.
Wer das Signal bekommt, hört sofort auf. Ohne Diskussion, ohne Nachverhandeln. Das gilt für Kinder untereinander. Und es gilt für uns.
Es gibt eine Ausnahme, und die ist eng: akute Gefahr oder eine Behandlung, die nicht warten kann. Dann handeln wir gegen den Willen des Kindes. Wir kündigen es an, wir erklären es, wir wählen das mildeste Mittel. Und wir besprechen es danach im Team.
Warum uns diese Regel so wichtig ist: Ein Kind, dessen „Nein" ernst genommen wird, lernt, dass sein Nein zählt. Das schützt es – bei uns und überall sonst.
Wer spielt, räumt auf. Das haben die Kinder beschlossen
An einer Magnetwand im Flur hängt für jedes Kind ein Foto-Button. Morgens entscheidet sich jedes Kind zwischen zwei Feldern: „Spielen" oder „Nicht-Spielen".
Wer spielt, räumt am Ende mit auf. Wer sich für Nicht-Spielen entscheidet, muss nicht aufräumen – nutzt dafür aber an dem Tag kein Spielmaterial der Kita. Umentscheiden geht jederzeit – vom Nicht-Spielen zum Spielen. Und mittags beginnt die Wahl von vorn.
Die Feinheiten haben die Kinder über viele Besprechungen ausgehandelt. Der Garten ist aufräumfreie Zone, dort räumen wir abends gemeinsam. Bücher anschauen zählt nicht als Spielen. An Geschichten kommt jedes Kind immer.
Für die Jüngsten haben die Kinder selbst eine Ausnahme beschlossen: „Die jüngeren Kinder verstehen noch nicht, worum es geht. Wir drücken ein Auge zu.
Ob die Regel in einem Jahr noch gilt, wissen wir nicht. Sie steht in jeder Kinderbesprechung zur Debatte. Genau das ist der Punkt.
Es gibt Dinge, über die nicht abgestimmt wird
Mitentscheiden heißt nicht, dass alles verhandelbar ist.
Unsere Leitfrage ist einfach: Wie umkehrbar sind die Folgen? Je weniger umkehrbar, desto klarer entscheiden wir. Die heiße Herdplatte steht nicht zur Wahl. Der Straßenverkehr auch nicht. Ebenso wenig Fragen der Gesundheit oder wer bei uns arbeitet.
Was uns wichtig ist: Wir benennen diese Grenzen offen, statt sie stillschweigend vorauszusetzen. Kinder merken den Unterschied.
Ein Kind bleibt bei uns bis zur Schule – bei denselben Menschen
In vielen Kitas wechseln Kinder mit drei Jahren von der Krippe in den Elementarbereich. Neue Gruppe, neuer Raum, neue Bezugspersonen.
Bei uns bleiben sie. Ein Kind, das mit einem Jahr kommt, geht mit sechs zur Schule – aus derselben Gruppe, begleitet von denselben Erwachsenen. Weil eine Beziehung, die gerade trägt, nicht am dritten Geburtstag enden sollte.
Wir sind eine Familiengruppe: rund 25 Kinder zwischen einem Jahr und der Einschulung, alle zusammen. Ein Fünfjähriger tröstet ein Einjähriges. Eine Dreijährige schaut zu, wie die Großen ihre Meinung sagen, und probiert es Monate später selbst.
Ältere Kinder brauchen neben den Jüngeren auch Gleichaltrige – zum Streiten, Wetteifern und Kräftemessen auf Augenhöhe. Deshalb sind die Großen regelmäßig unter sich: in kleinen Gruppen, im Projekt der künftigen Schulkinder, auf der Hochebene. Die gehört denen, die sie aus eigener Kraft erklettern. Dort wird mit Lego und Bügelperlen gebaut – außer Reichweite der Kleinsten. Und Helfen bleibt freiwillig. Ein Fünfjähriger darf ein jüngeres Kind trösten oder ihm etwas zeigen – er muss es nicht. Hilft ein Kind öfter, als es spielt, schaffen wir ihm gezielt Zeit und Raum für sein eigenes Spiel.
Was uns das kostet
Ehrlich: Zeit. Viel Zeit.
Ein Konflikt, den wir entscheiden, ist in zwei Minuten erledigt. Ein Konflikt, den die Kinder aushandeln, dauert manchmal Wochen und geht zwischendurch schief. Der Zehn-Minuten-Takt mit der Trillerpfeife war ein Reinfall.
Wir halten es trotzdem für richtig. Kinder lernen Demokratie nicht, indem man sie ihnen erklärt.
Wenn du das genauer wissen willst
Unser vollständiges pädagogisches Konzept schicken wir dir gern als PDF zu. Es ist ausführlich und für Fachleute geschrieben – nimm dir Zeit oder frag uns einfach.
Am besten kommst du vorbei und schaust dir eine Kinderbesprechung an. Schreib uns: info@bunteblumen.hamburg oder nutz das Kontaktformular.
